„Uns fällt immer wieder etwas Neues ein“

VEREINSLEBEN: FC Wacker Weidenthal bekannt für sein buntes Jahresprogramm – Von Knutfest über Whisky-Probe bis Extremklettern

VON NANCY SCHIER

Fast könnte man meinen, beim FC Wacker Weidenthal geht es gar nicht um Fußball. Denn betrachtet man sich den Terminkalender des Vereins etwas näher, stehen dort mannigfach kuriose und außergewöhnliche Veranstaltungen auf dem Programm – vom Knutfest mit Weihnachtsbaum-Dreikampf, über Whisky- Tasting bis hin zu Vorträgen über das Extremklettern mit weltberühmten Bergsteigern.Für Herbert Laubscher sind die vielen Veranstaltungen im Vereinsjahr ein Hobby. Seit fast 30 Jahren organisiert der stellvertretende Vorsitzende die jährliche Ausflugsfahrt mit den „Alten Herren“. In Norwegen, der Slowakei und Österreich waren die betagten Fußballer schon, auch Erlebnisreisen in Kanada, Australien und den USA standen bereits an. „Persönliche Freude an den Veranstaltungen und am Organisieren“, nennt Laubscher seine Motivation, neben dem Beruf immer noch für den Verein einzuspringen. „Wir wollen etwas fürs Dorf tun und die Mitglieder zusammenhalten“, meint Schriftführer Manfred Kirr. Ein bisschen steht aber auch der finanzielle Aspekt im Raum. „Wir haben für die Sanierung unseres Fußballplatzes einiges zu tilgen“, gibt Laubscher zu. Etwas Spektakuläres musste also her. Etwas, das die Menschen in Scharen zum Vereinsgelände zieht. Mit dem ersten Knutfest vor sieben Jahren war solch ein Publikumsmagnet geboren. „Durch eine Werbung im Fernsehen wurden wir darauf aufmerksam“, erzählt Kirr von der schwedischen Tradition. Mittlerweile ist das Fest ein Selbstläufer. In diesem Jahr kamen über 1500 Besucher zum Verbrennen ihrer Weihnachtsbäume nach Weidenthal. „Seit drei Jahren gibt es beim Knutfest auch eine Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen“, erzählt Laubscher von einer der neusten Ideen. Sogar beim Olympischen Komitee habe man sich hiermit schon zum Spaß beworben. „Das wurde aber nichts“, erzählt Vorsitzender Heinz Binz schmunzelnd. Dafür flimmerten die Weidenthaler schon weltweit über die TV–Bildschirme. „In der ZDF–Sportreportage haben sie über den Weihnachtsbaum-Dreikampf berichtet, und eine Filmagentur hat uns sogar bis nach Thailand gebracht“, erzählt Laubscher. Doch bei dem Knutfest blieb es nicht allein. Die schottische Nacht mit Live-Musik und Whisky- Tasting (Probe) im Vereinsheim war ohne Werbung innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Viele Mitglieder, aber auch Fremde begeisterten sich dafür. Ein Abend mit Whiskys und eine „Willi-Nacht“ mit Birnenbränden aus aller Welt folgten. „Die Whiskys für den nächsten schottischen Abend haben wir schon im Internet bestellt“, verrät Laubscher. Nicht nur für Fußball, auch fürs Extremklettern interessieren sich die Vorstandsmitglieder. Deshalb versuchen sie, jährlich einen Vortrag eines berühmten Kletterers zu organisieren. Hans Kammerlander sowie Thomas und Alexander Huber waren schon in Weidenthal. Für September hat sich Abenteurer Rüdiger Nehberg angekündigt. Zudem organisiert der Vorstand noch viele „kleine Feste“. Kinderfasching, Schlachtfest, Wandertag, Radfahrwochenende, Kerwetreff oder das Einläuten der Grillsaison stehen noch auf der langen Liste der Vereinstätigkeiten. Die Ideen gehen den Weidenthalern nicht aus. „Vieles wurde uns schon nachgemacht“, weiß Laubscher. Das Knutfest gebe es mittlerweile überall auf der Deutschlandkarte. „Egal“, sagt er, „dann fällt uns eben wieder etwas Neues ein.“

ZAHLEN UND FAKTEN

In der Neujahrsnacht zum 1. Januar 1920 gründeten junge Leute im Landgasthof Ackermann einen Fußballclub.

Erster Vorsitzender wurde Josef Augsten. Später erhielt der Club den Beinamen „Wacker“. Der FC Wacker

Weidenthal hat zurzeit 280 Mitglieder. Er ist ein reiner Fußball-Verein.

 ZITIERT:

„Die Spieler haben zur körperlichen Ertüchtigung sich eines soliden Lebenswandels zu befleißigen, übermäßigem Alkohol zu entsagen und das Rauchen einzuschränken.“ Aus der Vereinssatzung des FC Wacker Weidenthal von 1924.